Kluge Technologien für besseres Trinkwasser

Für viele Menschen ist Trinkwasser ein knappes Gut. Forscher und Unternehmen wollen das ändern – mit Windrädern, Nebelkollektoren und Eisbergen.

Wasser ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens – und ein Menschenrecht. Leider nur in der Theorie. In der Realität hat ein Viertel der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Entweder ist zu wenig Wasser da oder es ist zu schmutzig zum Trinken. Fünf innovative Ideen im Kurzporträt, die das ändern könnten.

Nebel trinkbar machen

Copyright aqualonis Peter Trautwein

Kaum Regen, wenig Flüsse und Seen – Süßwasser ist im Atlasgebirge in Marokko Mangelware. Dafür gibt es dort reichlich Nebel. Und den machen sich die CloudFisher (Wolkenfischer) mit ihren Nebelkollektoren zunutze. Die Konstruktion der Münchner Firma Aqualonis fängt die feuchten Schwaden auf und macht sie dadurch trinkbar. Nebelkollektoren sind eine jahrhundertealte Tradition, dank moderner Technik können jetzt sie Wasser in relevanten Mengen sammeln.
Und so funktioniert es: Der Nebel zieht durch die Netze, Wassertröpfchen bleiben in den Maschen hängen, kondensieren und werden in einem Speicher aufgefangen. Ein einzelner CloudFisher mit einer Fläche von neun Quadratmetern sammelt zwischen 36 und 126 Liter Wasser pro Nebeltag. Die große Anlage am Mount Boutmezguida im Süden Marokkos versorgt 1600 Einwohner in den Berberdörfern mit Trinkwasser.

Eisberge gegen die Dürre

Einst barg Nicholas Sloane das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia, jetzt will der Unternehmer die Trinkwassernot in seiner Heimat Südafrika beenden. Und zwar mit Eisbergen aus der Antarktis, die vor die Küste Kapstadts transportiert werden sollen. Klingt erst mal bizarr. Doch so unrealistisch ist das nicht, versichern Experten. Sloane betreibt ein Bergungsunternehmen und hat Erfahrung mit Schleppschiffen. Für das Vorhaben hat er ein Team aus renommierten Polarforschern und anderen Experten zusammengestellt. Ein Investor ist auch schon gefunden.
Und das ist der Plan: Per Satellitentechnik können die Polarexperten abgebrochene Eisberge orten. Mit Schleppnetzen sollen Schiffe die weißen Riesen rund 2600 Kilometer weit vor die Küste Südafrikas transportieren. Vor Ort soll das schmelzende Wasser dann in Tanker gefüllt und an Land gebracht werden.

Hohlfilter zum Säubern

Der Schweizer Unternehmer Vestergaard Frandsen hat mit Lifestraweinen mobilen und kostengünstigen Wasserfilter entwickelt, der selbst stark verschmutztes Wasser trinkbar macht. Lifestraw kommt ohne Strom oder Chemikalien aus. Allein durch die sogenannte Hohlfilter-Technologie beseitigt er über 99 Prozent der gefährlichen Bakterien, Viren und Parasiten. Die Filter kommen schon seit mehreren Jahren dauerhaft im ländlichen Afrika zum Einsatz oder temporär nach Naturkatastrophen, wie beispielsweise 2010 nach dem Erdbeben in Haiti.
Lifestraw gibt auch im Taschenformat für Outdoor- und Reisefans zu kaufen. Mit einem Teil des Erlöses unterstützt die Firma Vestergaard Frandsen das Programm „Follow the Liters“, das Schulkinder in Kenia mit sauberem Trinkwasser versorgt.

Energieautark Wasser reinigen

Innovative Water Technologies, Inc.

Der SunSpring Hybrid, ein unauffälliger silberner Zylinder, kann pro Tag 20.000 Liter verschmutztes Wasser in sauberes Trinkwasser verwandeln. Er läuft laut Hersteller zehn Jahre ohne Wartung und wird durch die integrierten Solarzellen oder optional durch ein kleines Windrad angetrieben. Damit funktioniert er auch an abgelegenen Orten, die nicht an ein Stromnetz angeschlossen sind. Der Hersteller, die amerikanische Firma Innovative Water Technologies, gibt an, dass der Filter bereits in 29 Ländern eingesetzt wird.

Wasser aus Wüstenluft

Der französische Ingenieur Marc Parent, Gründer des Start-ups Eole Water, und sein Team haben ein Windrad entwickelt, mit dem Wasser aus Luft gewonnen wird. Es verfügt über ein ausgeklügeltes Kondensationssystem, das selbst trockener Wüstenluft noch Wasser entzieht: Mit Hilfe von Ventilatoren saugt die Anlage Luft an. Mit dem Strom aus der Windkraftanlage wird die Luft erhitzt, der Wasserdampf kondensiert. Das Wasser wird gekühlt, gereinigt und aufgefangen. Um die 1000 Liter Wasser am Tag ringt die Konstruktion der Wüstenluft ab. Sie wird derzeit in Abu Dhabi getestet.