Vom Waldstadion zur DFB-Jugend

Gina Chmielinski (16) hatte ihr erstes Training in der Jungsmannschaft des Ludwigsfelder FC – und kickt mittlerweile in der Jugendauswahl des DFB.

Gina

Gina Chmielinski aus Ludwigsfelde ist Fußballerin mit Leib und Seele. Nach ihrem ersten Ballkontakt mit zwei Jahren ging es für sie steil bergauf: Die 16-Jährige spielt mittlerweile in der Jugendauswahl des DFB.

Ohne Ball sei es auch mal ganz angenehm gewesen, gesteht Gina Chmielinski nach einer viertägigen Osterpause. Auch wenn bei der im Juni 2000 geborenen Ludwigsfelderin das runde Leder schon immer eine zentrale Rolle spielte. Gerade mal zwei Jahre alt, hatte es ihr ein im elterlichen Garten liegender Ball angetan. „Meine Eltern hatten mit Fußball eigentlich gar nichts am Hut. Aber mein Opa war begeisterter Fußballer“, erzählt die DFB-Nachwuchskickerin im Interview. Schon als Dreijährige wollte sie dann im Verein Fußball spielen. Das erste Probetraining bei den Jungs gefiel ihr zwar nicht, dennoch begann sie beim Ludwigsfelder FC zu kicken. Erster Trainer war wie bei vielen, die im Waldstadion das Fußballspielen lernten, Klaus Friedrich. Obwohl sie damals die Jüngste war, sah sie kein Problem darin, gemeinsam mit den Jungs zu spielen. „Ich war immer zielstrebig, habe immer mein Ding gemacht“, sagt die 16-Jährige. Eine Eigenschaft, die sich seither wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht.

Das Profi-Debüt

Zunächst drückte Gina Chmielinski in der Kleeblatt-Grundschule, dann bis zum Ende der sechsten Klasse im Marie-Curie-Gymnasium die Schulbank. Schule falle ihr bis heute nicht schwer, meint sie. Ihr Lieblingsfach? „Sport!“, antwortet der Youngster mit einem wie selbstverständlichen Lächeln. Keine sonderliche Überraschung. Exakter wäre wohl die Antwort „Fußball“. Denn nach den ersten Jahren im LFC-Dress, dort unter anderem betreut von Torsten Schmidt und Martin Hermann, wechselte sie mit Beginn der siebten Schulklasse zur Sportschule Potsdam und zum 1. FFC Turbine Potsdam. Zusammen mit dessen Bundesliga-B-Juniorinnen gab sie beim 3:2-Auswärtssieg bei Werder Bremen im September 2014 ihr Debüt. Wenige Monate später durfte sie den zehnten deutschen U-17-Meistertitel des Turbine-Nachwuchses mitfeiern – wieder in Bremen, nach einem 3:1-Finalsieg gegen Werder.

Dazwischen lag ihre Länderspielpremiere. Als noch 14-Jährige war sie im April 2015 vor 1450 begeisterten Zuschauern im niedersächsischen ­Emsbüren am 2:0 der deutschen U-15-Auswahl gegen die Niederlande beteiligt. Inzwischen hat die Mittelfeld-Strategin einen Platz in der U-16-Auswahl er­obert. Bei deren 7:0-Auswärtssieg gegen England im November 2015 wurde die zweifache Torschützin zur Spielerin des Matches gewählt. „Der 2000er Jahrgang ist ein guter“, konstatierte U-16-Nationaltrainerin Ulrike Ballweg. Seit geraumer Zeit trainiert sie mit den Turbine-Frauen beim Trainer-Gespann Bernd Schröder und Matthias Rudolph. Von dort stammen mit Fatmire „Lira“ Alushi und Lia Wälti ihre fußballerischen Vorbilder. Inzwischen hat sie einen Drei-Jahres-Profivertrag bei Turbine in der Tasche und gehört zum Bundesligakader.

Die Karriere fest im Blick

Aber Gina Chmielinski will sich nicht nur auf eine Fußballkarriere konzentrieren. „Das ist schon ein Traum, der aber durch Verletzungen auch schnell zu Ende sein kann.“ Deshalb hat sie ihr Abitur 2019 und ein mögliches Studium danach fest im Blick. Vorerst steht aber das runde Leder weiter im Mittelpunkt. „Ich gebe in jedem Training Vollgas, motiviere andere und mich selbst“, sagt sie. „Fußball macht immer noch Spaß. Und den sollte man nicht verlieren.“ Das tut man vor allem dann nicht, wenn man auf dem Platz gewinnt – wie beim diesjährigen Endspiel um die deutsche Meisterschaft der B-Juniorinnen. In ihrem sportlichen Wohnzimmer, dem Ludwigsfelder Waldstadion, steuerte Mannschaftskapitänin Gina Chmielinski ­einen Treffer zum 4:2-Sieg gegen den FSV Gütersloh und damit zum elften Meis­tertitel des Turbine-Nachwuchses bei.