Strompreis verstehen

Ralf Bretschneider, Leiter des Energiehandels der Stadtwerke Ludwigsfelde, kennt die Hintergründe der Strompreisanpassung.

Ralf Bretschneider, Leiter des Energiehandels der Stadtwerke Ludwigsfelde.

Herr Bretschneider, zum 1. Januar 2020 erhöhen viele Versorger in Deutschland ihre Strompreise. Auch die Stadtwerke Ludwigsfelde passen die Strompreise an. Was sind die Gründe dafür?

Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Da wären zunächst die Kosten für die Beschaffung und den Vertrieb, dann die Netzentgelte, also die Aufwendungen für den Stromtransport, und schließlich diverse Umlagen, Abgaben und Steuern. Für das Jahr 2020 steigen vor allem die Beschaffungskosten und die Umlagen. Die Netzentgelte werden, je nach Netzgebiet, geringfügig steigen oder fallen. Insgesamt ergibt sich eine Steigerung. Die Beschaffungskosten orientieren sich an den Preisen der Leipziger Strombörse EEX, die seit 2017 um etwa 65 % angestiegen sind.

Welchen Anteil am Strompreis können die Stadtwerke denn überhaupt noch beeinflussen?

Keinen Einfluss haben die Stadtwerke Ludwigsfelde auf die beiden größten Kostenblöcke, die staatlich veranlassten Abgaben, Umlagen und Steuern mit einem Anteil von 52,5 % und die von der Bundesnetzagentur regulierten Netzentgelte mit einem Anteil von 25,6 %. Diese Kosten müssen alle Stromlieferanten in gleicher Höhe tragen.

Den verbleibenden Anteil können wir zumindest teilweise beeinflussen. Das sind die Kosten für den Einkauf bzw. für die Eigenerzeugung von Strom sowie die Kosten für den Vertrieb. Unsere Einkaufs- und Eigenerzeugungskosten sind stark von den Börsenpreisen für Energie abhängig. An der Strombörse in Leipzig sind die Preise für Strom in den letzten Jahren um etwa 65 % angestiegen. Unsere Vertriebskosten optimieren wir durch den effizienten Einsatz von eigenem Personal und ortsansässigen Dienstleistern, beispielweise für das Marketing.

LudwigStrom ist das von den Kunden meistgenutzte Stromangebot der Stadtwerke. Wie ändern sich die Preise konkret?

Für LudwigStrom erhöhen sich die Preise zum 1. Januar 2020 um 1,27 Cent je Kilowattstunde in der Kernstadt und um 1,40 Cent je Kilowattstunde in den Ortsteilen und in den Nachbargemeinden. Der Unterschied resultiert aus den Netzentgelten, die sind im dünner besiedelten Umland etwas höher.

Was heißt das für den einzelnen Kunden?

Für einen Musterhaushalt mit einem Strombedarf von 2500 Kilowattstunden im Jahr bedeutet das eine monatliche Stromkostensteigerung von 2,65 Euro in der Kernstadt bzw. 2,90 Euro im Umland. Angesichts dieser doch moderaten Auswirkungen beabsichtigen wir nicht, die monatlichen Abschlagsbeträge anzupassen.

Bereiten Ihnen die sogenannten Billiganbieter Sorgen?

Ich möchte es so formulieren: Fürchten müssen wir sie nicht, denn sie sind nicht günstiger als wir, meist sogar deutlich teurer. Sorgen bereiten uns eher die oft unfairen Methoden, mit denen solche Anbieter am Markt agieren. Zum Beispiel die häufig angebotenen Wechselprämien. Wenn es gut läuft, spart man im ersten Jahr ein wenig – ab dem zweiten Jahr wird es dann oft richtig teuer. Leider spielen da auch die vielgepriesenen Vergleichsportale eine unrühmliche Rolle. Sie machen es dem Nutzer nicht leicht, wirklich fair zu vergleichen. Kein Wunder, schließlich verdienen sie daran, wenn der Kunde wechselt.

Was machen die Stadtwerke anders?

Wechselprämien gibt es bei uns nicht, auch keine Drückerkolonnen, die potentielle Kunden an der Haustür oder per Telefon belästigen. Wir kalkulieren unsere Preise äußerst präzise und bieten allen Ludwigsfeldern je Netzgebiet stets ein einheitliches Preisniveau. Unter dem Strich fahren unsere Kunden langfristig damit am besten, davon sind wir überzeugt.

Ganz nebenbei: Ich glaube, kein anderer Stromanbieter schafft hier in Ludwigsfelde Arbeitsplätze, zahlt vor Ort seine Steuern oder unterstützt Bildung, Kultur und Sport in unserer Stadt.